Häufig gestellte Fragen

Frau zu Mann

Welche Methoden der Phalloplastik verwenden Sie und wie sind die funktionellen Ergebnisse?

Wir führen die Phalloplastik mit einem sog. freien Vorderarmlappen durch. Der Patient kann nach der Operation am 12. Tag im Stehen urinieren. Die sexuelle Empfindlichkeit bleibt erhalten, weil die Klitoris (Kitzler) bei unserer Methode nicht entfernt wird. Alle Operationsschritte werden in einer Sitzung durchgeführt.

Warum führen Sie alle Operationsschritte in einer Sitzung durch?

Dieses Vorgehen, die All-in-One-OP, reduziert deutlich die Dauer des gesamten stationären Aufenthalts, natürlich auch die Anzahl der Operationen. Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist auch die schnelle Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit. Es wird immer wieder behauptet, dass die Risiken durch den Mehrfacheingriff ansteigen, aber durch sorgfältige Organisation, gute Teamarbeit und sehr große Erfahrung ist es möglich, mit mehreren Operationsteams gleichzeitig einzelne Operationsschritte durchzuführen, ohne die gesamte Operationszeit zu verlängern. Durch die einzeitige Operation vermeidet man auch narbige Verwachsungen im Bereich der Vagina, die bei einem Zweiteingriff nachteilig sind. Bei gleichzeitiger Brustentfernung können wir die überschüssige Haut zur Deckung verwenden und ggf. auf andere Hautentnahmestellen verzichten (weniger Narben). Nicht zu vergessen sind Stressfaktoren, die wegfallen, wenn der Patient sich nur einmal einem Eingriff unterziehen muss.

Arbeiten Sie mit Mikrochirurgie?

Ja, bei der Phalloplastik wird das Penoid in einer mikrochirurgischen Operation aus Haut- und Unterhautgewebe einschließlich Nerven und Blutgefäßen des Unterarms (sog. Vorderarmlappen) gebildet.

Wie viele Operationen sind bis zu einem endgültigen Ergebnis notwendig?

In der Klinik Sanssouci Potsdam sind zwei Operationen für eine vollständige Geschlechtsangleichung Frau zu Mann notwendig: Die erste OP beinhaltet die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie), die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter (Ovarektomie, Adnektomie), die Brustentfernung (Mastektomie), die Entfernung der Scheide (Kolpektomie), sowie den Penoid-Aufbau (Phalloplastik). In einer zweiten OP (etwa acht bis zehn Monate nach der ersten OP) werden eine Erektionsprothese sowie ein Silikonhoden in den neu gebildeten Hodensack implantiert.

Wie lange muss ein Patient in der Klinik bleiben?

Für die erste Operation, bei welcher der Penoid-Aufbau (Phalloplastik) stattfindet, müssen Sie etwa 14 bis 16 Tage Klinikaufenthalt einplanen.

Welche Sensibilität hat das Penoid (Neophallus)?

Die Sensibilität, also die Gefühlsempfindung des Penoids, entspricht einer normalen Hautsensibilität, vergleichbar der Sensibilität der Haut am Vorderarm. Die Sensibilität wird durch das Einwachsen von Nerven etwa acht bis zehn Monate nach der Erstoperation erreicht. Eine gewisse erotische Sensibilität, ausgehend von Nerven der Klitoris, ist ebenfalls möglich.

Was geschieht mit der Klitoris? Wird sie entfernt oder wie wird dieses wichtige Organ erhalten?

Wir erhalten die Klitoris bei der Phalloplastik-Operation komplett und hiermit auch die Sensibilität und sexuelle Erlebnisfähigkeit. Dies erreichen wir, indem wir die Klitoris nur von ihrer Oberhaut befreien (deepithelisieren), an die Basis des Penoids legen und nur mit Haut bedecken, sodass die Erregbarkeit wie vor dem Eingriff möglich ist. Die Entfernung der Klitoris halten wir für nicht sinnvoll.

Sind schwerwiegende Probleme an der Entnahmestelle am Vorderarm vorgekommen?

Nein. In den ersten Tagen und Wochen nach der Phalloplastik-Operation kann es vorkommen, dass die Hand etwas anschwillt und dicker wird. Dann sollten Sie sie hoch lagern. Wir empfehlen überdies regelmäßige Bewegungsübungen der Hand. Schwerwiegende, zum Beispiel motorische (die Bewegung betreffende) Probleme, sind nicht aufgetreten – selbst feinmotorische Bewegungen der Hand werden nicht beeinträchtigt.

Wo finden sich am Penoid Narben und sind sie sichtbar?

Die einzige Narbe, die am Penis zu sehen sein wird, liegt auf der Rückseite des Penoids, sodass sie von vorne nicht sichtbar ist.

Gibt es einen Eichelaufbau? Und wann findet er statt?

Ja, der Eichelaufbau (Glansplastik) wird standardmäßig zusammen mit der Phalloplastik im ersten Eingriff ausgeführt.

Mann zu Frau

Wird eine sensible Klitoris entstehen und wie wird das durchgeführt?

Mikrochirurgisch unter Erhalt der Blutgefäße wird aus einem Teil der Eichel (Penis) eine Klitoris so konstruiert, dass sie sexuell erregbar ist und an typischer Stelle platziert wird.

Werden gleichzeitig zusätzliche Operationen durchgeführt und welche sind das häufig?

Wenn es gewünscht wird, führen wir in gleicher Sitzung einen Brustaufbau, d.h. eine Implantation einer Siliconprothese durch. Wenn gewünscht, ist auch eine Schildknorpelverkleinerung möglich. Diese Eingriffe verlängern die gesamte Operationszeit nur unwesentlich.

Werden Folgeeingriffe notwendig und wie oft?

Durch Einstülpung (Invagination) der ursprünglichen Penishaut zur Konstruktion der Neovagina entsteht öfter eine Falte am hinteren Scheideneingang, die wir intraoperativ belassen, um die Durchblutung und damit gute Einheilung der Penishaut im kleinen Becken nicht zu gefährden. Bei ca. 30 % unserer Patienten führen wir daher ca. 3-6 Monate nach dem Ersteingriff eine Erweiterung des Scheideneinganges durch. Bei diesem Eingriff werden gleichzeitig kleine Schamlippen gebildet und, wenn gewünscht, die Klitoris verkleinert. Die Klitoris wird im Regelfalle bei der Erstoperation so angelegt, dass die Sicherheit der Durchblutung und die Sensibilität gewährleistet sind, so dass vielen Patientinnen die Klitoris primär etwas groß erscheint. Dies wird bei dem Folgeeingriff korrigiert.

Werden in Ihrer Klinik weitere Eingriffe zur optischen Anpassung an das weibliche Geschlecht durchgeführt?

Es kann eine Verkleinerung des Kehlkopfes durchgeführt werden. Ebenso sind Nasenkorrekturen und andere Eingriffe aus dem Repertoire der ästhetisch-plastischen Chirurgie möglich.

 

 

Ab wann ist nach der Operation Sexualverkehr möglich?

Es gibt keine feste Regel, aber medizinisch gesehen ist es möglich, etwa 6 Wochen nach der Operation normalen Sexualverkehr zu haben.

Wo finden sich sichtbare Narben?

Es entstehen ausschließlich Narben auf den großen Schamlippen, die durch Verkleinerung des Hodensackes gebildet werden.

Ab wann ist eine Scheidendehnung möglich und verwenden Sie einen sog. Stent?

Nach der Operation wird eine lockere Tamponade in die Neovagina eingelegt, die am 5. bis 6. Tag ausgewechselt wird. Etwa 10 bis 14 Tage nach der Operation ist ein vorsichtiges Dehnen mit einem kleinen Dildo möglich. Es ist nicht notwendig, einen Stent zu verwenden.

Kann es Probleme beim Sexualverkehr nach der Operation geben?

Jede transsexuelle Patientin sollte sich vergegenwärtigen, dass das Becken des Mannes deutlich kleiner und enger ist, als üblicherweise das Becken einer sog. Biofrau. Zusätzlich ist die Beckenbodenmuskulatur im Regelfalle stärker ausgebildet und nicht so weich und dehnbar wie bei Biofrauen. Aus diesen Gründen kommt es nicht selten zu muskulären Verengungen, die auch über längere Zeit hinweg bestehen bleiben können und auch zu Schwierigkeiten beim Sexualverkehr führen können. Konsequente Dehnung und Entspannung ist in diesem Falle hilfreich.